Kirche St. Konrad Raithaslach
- Geschichte und Kirchenführung -

Kurzbeschreibung:

Über 300 Jahre ist die Barockkirche in Raithaslach alt. Teile des Altarraums und des 28,5 Meter hohen Kirchturms sind vermutlich von der 1709 abgerissenen Kirche und somit weitaus älter als 300 Jahre. Bis heute ist der Zwiebelturm mit Naturschiefer gedeckt, was im Bodenseeraum besonders selten zu sehen ist. Sie ist eine der größten Kirchen im ländlichen Raum des Oberen Hegaus und wurde dem Bischof Konrad von Konstanz geweiht. Beide Tatsachen resultierten aus dem Bestreben, im nördlichsten Zipfel des damaligen Bistums Konstanz ein signifikantes, bauliches Zeichen zu setzen. Damals wie heute ist die Kirche für Raithaslach das bedeutsamste Gebäude im Ort. Mit ihren vier Glocken ist die Kirche weit über die Dorfgrenzen hinaus zu hören.

Langfassung Geschichte und Kirchenführung:

301 Jahre St. Konrad Kirche in Raithaslach

Am Anfang des 18. Jahrhunderts war es dem seit 1690 in Raithaslach amtierenden Pfarrherr Georg Rapp nach langjährigen Bemühungen gelungen „so wohl von Gaistlicher als weltlicher oberikait den Consens vnd (und) erlaubnis zu erhalten, die alte kürchen abzubrechen vnd ein Newe (neue) zu erbawen...."[1]. Die Bauarbeiten begannen 1709. Die Hauptbauzeit mit Grundsteinlegung 1710 und Beendigung der Arbeiten für die im Barocken Stil mit Ihren typischen Zwiebelturm erfolgte 1711. Es entstand eine Barocke Kirche mit aber bescheidenen äußerem Gewand, was der damaligen finanziellen Lage der Gemeinde entsprechen dürfte.  

Über Art, Umfang und Fortgang des Neubaus schweigen sich die Akten fast ganz aus. Lediglich  durch  Baurechnungen aus der damaligen Zeit, lässt sich ein kleiner Einblick erstellen. Die Abrechnung über den Neubau schließt bei einem verfügbaren Geldbestand der Gemeinde von 1753 fl (Gulden) und bei rund 3030 fl Baukosten immerhin mit nahezu 1300 fl einen nicht gedeckten Ausgaben -Überschuss ab. Eine für die damalige Zeit und angesichts der damaligen Wertbedeutung des Guldens eine bedenkliche Last für die Pfarrei. Einzelne Rechnungen weisen für die gesamten Maurerarbeiten 745 fl, für Eisen vom Stockachischem Bergwerckh 115 fl sowie für das Gold für zum Altar und Kanzel und für alle Farben 24 fl aus. Die Arbeiten verrichteten Handwerker aus der näheren und weiteren Umgebung von Raithaslach. Beim Heranschaffen des vielen Baumaterials mit Fuhrwerken beteiligten sich Bürger aus Mahlspüren i.H., Münchhöf sowie Raithaslach.

Trotz der ärmlichen Zeit wurde das Richtfest gebührend gefeiert. Der Eintrag dafür Lautet: „Bey denen Handtwerckhs leithen, als (da sind) Marrern, Zimmerleith, fuhrleit, vnd (und) Andere Mehrs an der Auf richteten, ins speiß vnd Trrankh ist verzehrt worden 91 fl 27 kr"[2]. Die Konsekration der Kiche fand nach dem Handbuch des Erzbistums Freiburg von 1932 erst 8 Jahre später statt, vermutlich durch den Konstanzer Weihbischof Konrad Ferdinand Geist von Wildegg (1692-1722). Die Urkunde über den bischöflichen Weiheakt zu Raithaslach ist bedauerlicherweise nicht mehr auffindbar.

In den 300 Jahren fanden mehrere Renovierungen in und an der Kirche statt. Die letzte Innenrenovation fand 2003 statt,  bei der Ihr heutiges Erscheinungsbild gestaltet wurde.

Teile des Altarraums und des 28,5 Meter hohen Kirchturms sind vermutlich von der 1709 abgerissenen Kirche und somit älter als 300 Jahre, genauere Aufzeichnungen liegen aber nicht vor. Bis heute ist der Turm mit Naturschiefer gedeckt, was eine seltene Besonderheit für den Bodenseeraum darstellt.

Die vier Glocken, die große Christusglocke, die St. Konradsglocke, die Marienglocke und die Sebastiansglocke wurden 1951 angeschafft, nachdem die Vorgänger dem Glockensterben im 2. Weltkrieg zum Opfer gefallen sind.

Hochaltar

Das obere Bild des Hochaltars stellt die Dreifaltigkeit dar. Das darunter liegende große Hochaltarbild von Caspar Fuch um 1720 gemalt, stellt die Aufnahme Marias in den Himmel dar. Der auf dem Tabernakel stehende Pelikan stammt ebenfalls aus dem Jahre 1720 und stammt von dem Pfullendorfer Bildhauer Hegenauer.

St. Konrad

Die Kirche ist dem Bischof Konrad von Konstanz geweiht. Heute erinnert in der Kirche nichts mehr daran, dass man in Raithaslach neben Sankt Konrad noch einen weiteren Heiligen Pelagius verehrte. Beide Patrone werden erstmal im kirchlichen Visitationsbuch, dem Liber proclamationum von 1583, erwähnt. Demzufolge war auch die „Urkirche", also die vor 1709, St. Konrad geweiht.

Als Patron wird St. Konrad gleich mehrfach im Gebäude künstlerisch gezeigt. Über dem linken Eingang zur Sakristei am Hochhaltar ist ein Gemälde des Kirchenpatrons Hl. Konrad. Eine Konradstatue von Franz Bucher aus Tuttlingen aus dem Jahre 1960, ist an der Außenseite der Kirche über dem Eingang angebracht.

Heilige Familie

Die Heilige Familie wurde um 1710 von der „Bruderschaft vom Wandel der Hl. Familie" aus Raithaslach gestiftet. Die Figurengruppe die die Hl. Familie darstellt stammt aus der Barockzeit. Maria trägt einen blauen Überwurf, als Zeichen der Verbindung zwischen Himmel und Erde. Josef trägt in seiner Hand eine Lilie als ein Zeichen der Reinheit, der Lauterkeit und der Hingabe. In der Mitte ist Jesus als heranwachsender Knabe zu sehen. Der rote Umhang ist ein Zeichen seiner Liebe, die bereit ist für uns Menschen zu leiden. Das von einem Engelsköpfchen bekrönte Medaillon, das sich in der Mitte über der Heiligen Familie befindet, stellt Gott Vater und Gott Heiliger Geist dar; die erste und die dritte Person des dreieinigen Gottes. So ist mit Jesus, der menschgewordenen zweiten göttlichen Person, die Heilige Dreifaltigkeit komplett dargestellt.

Hl. Sebastian:

Im Altarraum auf der linken Seite finden wir die älteste Figur der Kirche. Beim Hl. Sebastian handelt es sich um eine spätgotische Figur (Spätgotik: ca. 1350–1520/30), die womöglich aus der alten Kirche übernommen wurde. Zudem finden wir den Hl. Sebastian rechts vom Altar auf einem Gemälde. Warum nimmt Sebastian so eine wichtige Rolle ein, dass er gleich zweimal vertreteten ist? Antwort finden wir im Dekanatsarchiv Stockach von 1827: „Außer einer heftigen Viehseuche vor mehreren Jahren geschehen, erinnert man sich sonst keiner großen Calamitaeten. Aber in dieser Noth nahm Raithaslach seine Zuflucht zu dem heiligen Märtierer Sebastianus, den es um seine Fürbitte anrief, und durch den es auch erhört worden zu sein glaubt."[3] Vielleicht ist die Sebastianverehrung eine Erklärung dafür, weshalb der Hl. Pelagius am Ende des 18. Jh. verdrängt und schließlich völlig in Vergessenheit geraten ist.

Krippe

In der Weihnachtszeit schmückt sich die Kirche St. Konrad mit einer der größten Krippe im süddeutschen Raum. Die heutigen ein Meter hohen Gipsfiguren wurden 1936 angeschafft und fügen sich in eine 16 qm großen Krippenlandschaft aus Tieren, Stall, Engel, Tannen und einem Gemälde einer orientalischen Stadt. Der mehrtägige Aufbau liegt jedes Jahr in der Verantwortung von Pfarrgemeinderäten, Mesnerin und Ministranten.